Zertifikate – Funktion (Alle)

Zertifikate – Beschreibung, Erklärung, Funktion, Konstruktion und Strukturierung:

Grundsätzliches

  • Indexzertifikat:
  • Basketzertifikat, Strategiezertifikat, Themenzertifikat
  • Garantiezertifikat
  • Aktienanleihe
  • Discountzertifikat
  • Bonuszertifikat
  • Expresszertifikat
  • Outperformancezertifikat
  • Sprintzertifikat
  • Butterfly-Zertifikat (Schmetterlingszertifikat)
  • Alphazertifikat / Long-Short-Zertifikat
  • Turbozertifikat / Hebelzertifikat

Vorteile von einem Zertifikat:

Strukturiere Produkte (Zertifikate) eröffnen dem Anleger die Möglichkeit, durch den Kauf von nur einem Wertpapier eine optimierte, kostengünstige Investmentstrategie zu verfolgen.

Ein strukturiertes Produkt (Zertifikat) wird deshalb als “strukturiert” bezeichnet, weil der Emittent aus verschiedenen Elementen (zB: Aktie, Anleihe, Zerobond, Option, Optionsschein, Future etc.) ein neues Wertpapier strukturiert, welches ein verbessertes bzw. optimiertes Chance/Risiko-Profil aufweist.

Ein Zertifikat kann daher dem Anleger eine Risikoreduktion und/oder eine Gewinnoptimierung ermöglichen.

Der Nachbau der meisten emittierten Zertifikate durch die entsprechenden Underlyings (Basiswerte) ist einem Privatanleger nur eingeschränkt möglich bzw. mit sehr hohen Spesen verbunden.

Der durchschnittliche Privatinvestor wird in der Regel nicht das notwendige Wissen und die Finanzkraft besitzen, um sich zB: durch den Kauf von einem Future und den gleichzeitigen Abschluss von einem Stillhaltergeschäft (im richtigen Verhältnis und mit der richtigen Restlaufzeit zum gekauften Future) sein eigenes Zertifikat zu strukturieren.

Der Kauf von einem Zertifikat ermöglicht daher auch dem Kleinanleger, einfach, transparent und kostengünstig Investmentideen renditeträchtig umzusetzen.

Emittentenrisiko:

Ein Zertifikat stellt eine verbriefte Schuldverschreibung eines Emittenten dar und birgt daher ein (geringes) Emittentenrisiko (Ausfallrisiko).
Die Solvenz bzw. Zahlungsfähigkeit (Bonität) der Emittenten (zB: Bank, Sparkasse etc.) wird durch das von einer Ratingagentur vergebene Kreditrating ausgedrückt.

Im Unterschied zu einem Investmentfonds (dieser gilt als „Sondervermögen“ das im Konkursfall der Bank dem Anleger ausgefolgt werden muss) ist der Inhaber eines Zertifikats genau so wie der Inhaber einer Anleihe in einer Gläubigerposition gegenüber der emittierenden Bank.

Tipp, Empfehlung: Aus Gründen der Risikominimierung empfehle ich bei längerfristigen Engagements auf die Kreditwürdigkeit der jeweiligen Emittenten zu achten und Zertifikate von unterschiedlichen Emittenten zu erwerben.

Die Laufzeit von einem Zertifikat

Ein Zertifikat hat entweder eine festgelegte Laufzeit mit Laufzeitbeginn und Laufzeitende oder ist als „Open-End-Zertifikat“ konstruiert. Beim Open-End-Zertifikat erspart sich der Anleger am Laufzeitende die Gebühren für die Wiederveranlagung in ein ähnliches Zertifikat.
Bei Open-End-Zertifikaten behält sich der Emittent ein vorzeitiges Kündigungsrecht vor, welches aber einige Monate vorher angekündigt werden muss und mA nur theoretischer Natur ist.

Zertifikat kaufen

Ein Zertifikat erwirbt der Anleger über eine Bank oder einen Broker. In der Regel ist ein Zertifikat an der Börse gelistet und börsentäglich handelbar.

Der Anleger kann das Zertifikat seiner Wahl am Laufzeitbeginn während der mehrwöchigen Zeichnungsphase (Emissionsphase) zeichnen (inkl. Ausgabeaufschlag) oder das Zertifikat am Sekundärmarkt (= Börse oder der Direkthandel mit dem Emittenten) nachträglich zum aktuellen Börsenkurs (ohne Ausgabeaufschlag) kaufen.

Tipp, Empfehlung: Der Anleger erspart sich durch den Kauf über die Börse den Ausgabeaufschlag (in der Regel 1 bis 3 Prozent Kaufpreises). Nachteil: Da von einem Zertifikat mit begrenzter Laufzeit in der Regel nur eine bestimmte Stückanzahl emittiert wird (zB: 500.000 Zertifikate-Stücke), sind sehr beliebte Zertifikate oftmals nach einiger Zeit ausverkauft bzw. die Zeichnung wird vorzeitig geschlossen.

Anmerkung: Einem beliebten Zertifikat folgt in der Regel eine baldige Folgeemission eines ähnlichen Zertifikats um den Bedürfnissen der Anleger gerecht zu werden. Dann kann der Anleger noch immer investieren.

Die Kosten bei einem Zertifikat

Am Laufzeitbeginn wird ihm Rahmen der Zeichnung ein Ausgabeaufschlag in Höhe von ca. 1 bis 3 Prozent des Kaufpreises erhoben. Dies soll die Kosten des Emittenten für die Strukturierung, Emission, Vertrieb, Werbung etc. abdecken. Während der Laufzeit wird bei „arbeitsaufwendigen“ Zertifikaten eine Managementgebühr eingehoben (0,l – 2 Prozent).
Bei börsennotierten Zertifikaten übernimmt der Emittent in der Regel auch die Marktbetreuung (= Marketmaking) und stellt laufend Geldkurse und Briefkurse an der Börse und im Direkthandel (= OTC – „over the counter“). Der Emittent verdient an der Differenz (Spread) zwischen Geldkurs und Briefkurs.

Die Liquidität bei einem Zertifikat / Zertifikat verkaufen

Die verbindliche Marktbetreuung durch den Emittenten oder eines anderen Market-Makers an der Börse oder im Direkthandel ermöglicht dem Anleger, sein Zertifikat jederzeit an der Börse oder im Direkthandel zu kaufen oder zu verkaufen, ohne auf ein Kaufangebot oder ein Verkaufsangebot von einem anderen Marktteilnehmer angewiesen zu sein. Dadurch sind Zertifikate in der Regel immer liquide bzw. der Anleger kann ein Zertifikat ggf. auch außerhalb der regulären Börsenzeiten im Direkthandel mit den Emittenten handeln.

Indexzertifikat (Partizipationszertifikat, Indexanleihe, Indextracker)

Es ist statistisch erwiesen, dass die Mehrzahl der aktiv gemanagten Investmentfonds ihre Benchmark (Index) nicht dauerhaft outperformen. Trotzdem fallen hohe Ausgabeaufschläge (ca. 3 bis 5 Prozent) und jährliche Managementgebühren (ca. 1 bis 2 Prozent) an. Im Extremfall muss der Anleger bei der Rückgabe der Fondsanteile eine Rücknahmegebühr entrichten.

Daher wollen viele Anleger direkt in den Index investieren. Dafür bieten sich einerseits ein „Index-Investmentfonds“ (zB: ETF) an oder ein kostengünstiges Indexzertifikat an.
Ein Indexinvestment ist ideal, um mit nur wenigen Transaktionen ein stark diversifiziertes Aktien-Portfolio zu erhalten. Dadurch kann der Anleger das „unsystematische“ Risiko reduzieren (das „systematische“ Risiko“ bleibt jedoch bestehen).

Der Anleger partizipiert linear (dh: 1:1) an der Wertentwicklung des dem Indexzertifikat zugrunde liegenden Index. Um auch für niedrige Anlagebeträge investierbar zu sein bzw. um die Feingewichtung in den Portfolios zu erleichtern, werden Indexzertifikate in der Regel mit einem bestimmten „Bezugsverhältnis“ zum zugrunde liegenden Index gehandelt.
Bsp: Wenn der DAX (Deutsche Aktien Index) bei 6500 Indexpunkten steht, wird ein Indexzertifikat mit einem Bezugsverhältnis 100:1 (oder anders ausgedrückt mit einer Bezugsmenge von 0,01) 65 Euro kosten.

Indexzertifikate können „Open End“ oder mit einer fixen Laufzeit begeben werden. Bei Indizes außerhalb der Eurozone wirken sich Wechselkursschwankungen ebenfalls auf die Wertentwicklung des Zertifikats aus. Dies kann durch den Erwerb von einem „Quanto-Zertifikat“ vermieden werden.

Es wird zwischen einem „Kursindex“ und einem „Performanceindex“ unterschieden. Bei einem Kursindex (zB: Euro Stoxx 50 Index) werden keine ausgeschütteten Dividenden in der Indexberechnung berücksichtigt. Bei einem Performanceindex (zB: DAX, MDAX, TecDAX) werden ausgeschüttete Dividenden in der Indexberechnung berücksichtigt (reinvestiert).

Tip: Der Anleger sollte möglichst in Performanceindizes investieren, da er damit auch von den ausgeschütteten Dividenden profitiert. Bei einer Dividendenrendite von ca. 3 Prozent und einer Laufzeit von 10 Jahren ergibt dies unter der Prämisse einer Wiederveranlagung der ausgeschütteten Dividenden einen Mehrertrag von ca. 34 Prozent gegenüber der dividendenlosen Wertentwicklung.

Ein Indexzertifikat ist in der Regel kostengünstig, da oftmals kein Ausgabeaufschlag und keine Managementgebühr vom Emittenten verrechnet werden. Es fällt in der Regel nur der Spread zwischen Geldkurs und Briefkurs an.

Tipp: DAX-Indexzertifikate ohne Spread: DE0005437412 (ABN-Amro), DE0007029795 (Commerzbank), DE0007093353 (Deutsche Bank);

Die Emittenten können sehr liquide Indizes deshalb so günstig anbieten, da die Emittenten den Index nicht über ein direktes Aktienengagement abbilden, sondern das Zertifikat über hochliquide, kostengünstige Futures auf den Index strukturieren.

Basketzertifikat – Strategiezertifikat – Themenzertifikat

Durch „Basketzertifikate“ bzw. Strategiezertifikate ermöglichen die Emittenten dem Kleinanleger, ein spezielles Anlagethema durch ein strukturiertes Finanzprodukt abzubilden und an der Wertentwicklung spezieller Basiswerte (Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen etc.) zu partizipieren.
Bei einem Basketzertifikat bleibt die ursprüngliche Zusammensetzung der Basiswerte während der Laufzeit in der Regel gleich.
Bei einem Strategiezertifikat werden die Basiswerte nach einer festgelegten Investmentstrategie verändert.

Beispiele sind Basket-Zertifikate bzw. Strategie-Zertifikate auf Aktien zum Modethema Klimawandel und Klimaschutz, Umweltaktien, Solaraktien, Biotechnologie-Aktien (kurz: Biotech-Aktien), Agraraktien, Rohstoffaktien, Halbleiteraktien etc. Es gibt auch Basketzertifikate auf ausgesuchte Indizes, Branchen, Regionen die durch einen strukturierten Aktienkorb abgebildet werden.

Der Käufer von einem Basketzertifikat sollte auch überprüfen, ob allfällige Dividenden der verbrieften Aktien dem Zertifikatepreis gutgeschrieben werden oder ob die Emittenten die ausgeschütteten Dividenden einbehalten (als Kompensation für die laufende Betreuung vom Strategiezertifikat). Zusätzlich soll der Anleger die Angemessenheit der jährlichen Managementgebühr berücksichtigen.

Garantiezertifikat – Zertifikat mit Kapitalgarantie

Garantiezertifikate (Zertifikate mit Kapitalgarantie) garantieren dem Anleger das bei der Emission eingesetzte Kapital zum finalen Bewertungstag.
Zusätzlich kann der Käufer von einem Garantiezertifikat von den Wertsteigerungen des verbriefen Basiswerts mit einer vorab definierten Partizipationsrate profitieren.
Da der reine Kapitalerhalt einen Verzicht auf eine laufende Verzinsung bedeutet, können die Emittenten diese nicht auszuzahlenden Gelder für die Konstruktion des Zertifikats verwenden.

Konstruktion von einem Garantiezertifikat:

Der Emittent kauft mit dem vom Anleger eingezahlten Geld einen Zerobond (Nullkuponanleihe) mit einer identen Laufzeit wie das Zertifikat. Der Zerobond garantiert die Rückzahlung des eingezahlten Kapitals am Laufzeitende. Da der Zerobond am Laufzeitanfang einen wesentlich geringeren Preis als am Laufzeitende hat (Diskontierung der Zinsen), kauft der Emittent mit dem noch zur Verfügung stehenden Geld Call-Optionen bzw. Call-Optionsscheine auf den zugrunde liegenden Basiswert.

Die Partizipationsrate des Garantiezertifikats hängt im Wesentlichen vom Preis der gewünschten Optionen und des Zinsniveaus zum Emissionszeitpunkt ab.

Günstige Optionen in Verbindung mit einem hohen Zinsniveau ermöglichen dann attraktive Partizipationsraten an den Wertsteigerungen der Basiswerte.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Kapitalgarantie ausschließlich zum Schlusstag Gültigkeit hat. Bedingt durch die Optionskomponente (Volatilität) und den Zerobond (Zinsänderungsrisiko) kann das Garantiezertifikat während der Laufzeit auch unter dem Emissionspreis notieren.

Des Weiteren ist der anlässlich der Emission kassierte Ausgabeaufschlag für den Anleger verloren.

Aktienanleihe und Indexanleihe (Aktienandienungsanleihe, Equity Linked Bond, Reverse Convertibles)

Aktienanleihen und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere. Der in Relation zu „normalen“ Anleihen hohe Zinskupon wird auf jeden Fall ausbezahlt. Der fixe, hohe Zinskupon birgt aber das Risiko, am Laufzeitende der Aktienanleihe nicht 100% seines eingezahlten Kapitals zurück bezahlt zu bekommen, sondern als Anleger eine Rückzahlung in Form von Aktien zu erhalten.

Der Emittent hat am Laufzeitende die Wahl, ob er 100% des Aktienanleihen-Nominale tilgt, oder ob er dem Anleger eine vorab definierte Anzahl von Aktien überträgt. Bei Indexanleihen wird in der Regel in Bar getilgt – höchstens aber das begebene Nominale (Nennbetrag).

Die Ausstattungsmerkmale einer Aktienanleihe sind:

  • der Basiswert
  • die Bezugsmenge
  • der Nennbetrag (Nominale)
  • die Laufzeit
  • der Ausübungstag
  • der Zinskupon
  • der Zinslauf (Laufzeit, in der der Zinskupon anfällt)

Wann der Emittent einer Aktienanleihe mit Aktien tilgt statt mit Bargeld:

Wenn man das Nominale einer Aktienanleihe durch die Bezugsmenge dividiert erhält man den Basispreis, bei dessen Unterschreiten am Laufzeitende der Emittent in Aktien tilgen wird. Ist der Aktienpreis am Laufzeitende über dem errechneten Basispreis, wird der Emittent nicht in Aktien tilgen, sondern das Nominale zurückbezahlen.

Beispielsweise ergibt sich bei einer Aktienanleihe mit einem Nominale von 1.000 Euro und einer Bezugsmenge von 100 Aktien ein rechnerischer Basiskurs von 10 Euro.

Ist der Kurs der Aktie am Laufzeitende über 10 Euro, wird die Aktienanleihe in bar getilgt. Ist der Kurs der Aktie am Laufzeitende unter 10 Euro, erhält der Anleger Aktien.

Stückzinsen bei Aktienanleihen:

Beim Kauf von „gebrauchten“ Aktienanleihen am Sekundärmarkt (Börse) muss der Käufer dem Verkäufer Stückzinsen bezahlen. Kauft ein Käufer beispielsweise eine Aktienanleihe mit einem Zinslauf von einem Jahr ein Dreivierteljahr vor dessen Ende, so wird der Verkäufer die anteiligen Zinsen für das bereits verstrichene Vierteljahr vom Käufer verlangen.

Konstruktion von Aktienanleihen (Indexanleihen, Reverse Convertibles)

Eine Aktienanleihe wird in der Regel folgendermaßen konstruiert: Der Emittent erwirbt einen zur Laufzeit passenden Zerobond und verkauft gleichzeitig eine Put-Option mit einem Strike in der Höhe vom Basispreis.

Die eingenommene Prämie für die verkaufte Put-Option stellt den Zinskupon der Aktienanleihe dar. Im Grunde ist eine Aktienanleihe ein verbrieftes Stillhaltergeschäft, bei dem der Anleger anstelle einer geringen Margin (Sicherheit) den vollen Betrag als Sicherheit hinterlegen muss.

Für gut ausgebildete Anleger mit Termingeschäftsfähigkeit und viel Kapital ist das direkte Stillhaltergeschäft die kostengünstigere Möglichkeit. Für Kleinanleger eröffnet die Aktienanleihe aber die Möglichkeit, nicht nur von steigenden Kursen zu profitieren.

Umfeld für Aktienanleihen:

Der Kauf von Aktienanleihen ist einem Direkterwerb von Aktien dann vorzuziehen, wenn der Anleger einen moderaten Anstieg, eine Seitwärtsbewegung oder einen leichten Kursrückgang beim ausgesuchten Basiswert erwartet.

In Zeiten hoher impliziten Volatilitäten und der damit verbundenen hohen Preise für Put-Optionen kann der Emittent die Aktienanleihe mit einem hohen Zinskupon ausstatten.

Zusätzlich könnten in einem solchen Szenario bestehende Aktienleihen unter dem Emissionspreis notieren. Dies würde die effektive Rendite des Zinskupons im Verhältnis zum eingesetzten Kapital erhöhen.

Discountzertifikat

Indexzertifikate gewinnen üblicherweise nur in einer Hausse an Wert. Bei hingegen stagnierenden bzw. leicht fallenden Kursen kann der Anleger auch mit Aktienanleihen oder mit Discountzertifikaten Geld verdienen.

Definition Discountzertifikat

Discountzertifikate sind börsennotierte Wertpapiere, die dem Inhaber einen Abschlag (Discount, Rabatt) auf den Preis des zugrunde liegenden Basiswertes gewähren, jedoch gleichzeitig die Wertsteigerung durch eine Obergrenze (Cap) limitieren.


Worauf sich Discountzertifikate beziehen können

Folgende Basiswerte sind für Discountzertifikate u.a. möglich:

• Einzelaktien
• Aktienkorb
• Wertpapierindex
• Anleihen

Funktionsweise eines Discountzertifikats

Discountzertifikate haben mit Aktienanleihen einige Gemeinsamkeiten:

• Verbriefung eines Stillhaltergeschäfts
• Performancevorteile bei stagnierenden Kursen
• Begrenzte Laufzeit
• Begrenzte Gewinnchance
• Keinen Anspruch auf Dividenden
• Andienung des Basiswertes möglich
• Totalverlust möglich
• Keine vollständige Kapitalgarantie möglich

Ausgangslage – Emissionsbedingungen:

Wertpapier: Muster-AG Discountzertifikat
Bezugsverhältnis: 1:1
Fälligkeit (Laufzeit): 12 Monate
Cap: 110 Euro
Aktueller Kurs des Zertifikats: 80 Euro
Aktueller Kurs der Muster-AG Aktie: 100 Euro

Ein Cap von 110 Euro bedeutet, dass das Zertifikat höchstens einen Wert von 110 Euro erreichen kann. Selbst wenn die Aktie der Muster-AG auf zB 5.000 Euro steigen würde, hat man eine begrenzte Gewinnchance von 30 Euro pro Zertifikat.
Der maximale Gewinn des Zertifikats beträgt daher 37,50 % (von 80 Euro auf 110 Euro = 37,50%).

Der maximale Gewinn von 37,50 % wird daher schon bei einem moderaten Anstieg des Basiswertes von 10 % erreicht.

Nur wenn die Aktie über 137,50 Euro notiert (und damit um 37,50 % steigt), wäre ein Direktinvestment in die Aktie besser gewesen.
Liegt der Kurs des Basiswertes am Laufzeitende unter dem Cap, gibt es zwei Rückzahlungsmöglichkeiten:

• Andienung des zugrunde liegenden Basiswertes (Aktie)
• Das Zertifikat wird zum Stichtagskurs in Bar zurückgekauft („Cash-Settlement“)

Wenn der Kurs der Muster-AG am Laufzeitende bei 100 Euro stagniert erreicht man mit dem Discountzertifikat eine Rendite von 25 % (Anstieg von 80 Euro auf 100 Euro). Bei einem Direktinvestment in der Aktie hätte der Anleger hingegen keinen Gewinn gehabt.

Wenn der Kurs der Muster-AG am Laufzeitende auf 90 Euro fällt, erwirtschaftet das Discountzertifikat einen Gewinn von 12,50 % (Anstieg von 80 Euro auf 90 Euro). Der Aktionär hätte hingegen einen Verlust von 10 % zu verzeichnen.

Wenn der Kurs der Muster-AG am Laufzeitende auf 80 Euro fällt, verbucht auch das Discountzertifikat keinen Gewinn mehr. Beim Direktinvestment hätte der Anleger hingegen 20 % Verlust erlitten.

Erst bei einem Aktienkurs von unter 80 Euro hilft auch der Risikopuffer von 20 Euro nicht mehr und das Zertifikat rutscht in die Verlustzone.
Der Verlust ist aber durch den Risikopuffer von 20 % (bzw Euro) immer geringer als beim Direktinvestment.

Diese Szenarien zeigen, dass ein Discountzertifikat üblicherweise ein besseres Chance/Risiko-Profil hat als ein traditionelles Direktinvestment.


Das richtige Discountzertifikat

Durch die Wahl des passenden Cap kann der Anleger gemäß seinem Chance/Risikoprofil (fast) jede Marktphase ausnutzen.

Der Anleger kann zwischen drei Möglichkeiten wählen:

Cap liegt über dem aktuellen Stand des Basiswertes

Bei einem Cap-Abstand von mehr als zehn Prozent zum Basiswert (auch „out-of-the money“ genannt) hat der Anleger die Chance auf eine hohe Maximalrendite bei einem vergleichsweise geringen Risikopuffer. Solche Zertifikate sind erste Wahl für Anleger, die auf einen moderaten Anstieg des Basiswerts setzen und dabei ihre Rendite gegenüber einem Direktinvestment optimieren wollen.
Cap liegt in der Nähe des aktuellen Stands des Basiswertes
Hier wird die Maximal-Rendite bereits erreicht, wenn der Basiswert bloß seitwärts läuft. Kurssteigerungen sind nicht erforderlich da der Anleger daran nicht mehr partizipiert. Der Risikopuffer fällt bei solchen „at-the-money-Zertifikaten“ deutlich höher aus als bei der ersten Variante.

Cap liegt unter dem aktuellen Stand des Basiswertes

Bei dieser Variante liegt der Cap des Discountzertifikats ca. zehn Prozent unter dem aktuellen Kurs des Basiswertes.
Sogar wenn der Basiswert mehr oder weniger stark nachgibt, kann man mit diesen „in-the-money-Produkten“ attraktive Renditen erzielen, die aber nicht so hoch sind wie bei Zertifikaten mit höherem Cap.

Die Konstruktionsweise eines Discountzertifikats

Mit ihrem Chance/Risikoprofil und ihren zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten sorgen Discountzertifikate zweifelsohne für eine Revolution der privaten Geldanlage. Das dahinter stehende Prinzip „Rabatt durch Cap“ ist freilich alles andere als revolutionär – institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds nutzen diese Methode schon seit Jahren, um die ihre Rendite zu optimieren.

Daher konstruieren Emittenten nun auch für den Privatanleger Discountzertifikate.

Discountzertifikate setzen sich aus dem Kauf des zugrunde liegenden Basiswertes und dem Verkauf einer Call-Option auf diesen Basiswert zusammen. Es handelt sich dabei wie bei der Aktienanleihe (covered short put) um ein verbrieftes Stillhaltergeschäft. Beim Discountzertifikat (covered short call) wird in der Praxis auch der Begriff „Covered Call Writing“ verwendet.

Der Ausübungspreis der Call-Option (Strike) definiert den Cap des Discountzertifikates. Die erhaltene Optionsprämie ermöglicht den gewährten Discount. Je höher die implizite Volatilität desto höher ist auch die vereinnahmte Optionsprämie und desto höher ist auch der gewährte Discount. Fallende implizite Volatilitäten tragen daher (während der Laufzeit) zu einem Wertanstieg des Discountzertifikats bei. Steigende implizite Volatilitäten führen umgekehrt zu einem vorübergehenden Wertverlust des Discountzertifikats

Durch die Konstruktionsweise eines Discountzertifikats ist eine vollständige Kapitalgarantie nicht möglich.


„Rollende“ Discountzertifikate (Rolling-Discountzertifikat)

Discountzertifikate haben den Nachteil, dass sie eine begrenzte Laufzeit haben. Die beliebte „buy and hold“ Strategie ist daher nicht möglich. Dieses Manko wird durch die Konstruktion von „Rolling Discountzertifikaten“ behoben.

Bei dieser „open end“ Konstruktion wird ein Discountzertifikat bei Fälligkeit durch ein anderes Discountzertifikat ersetzt. Durch diese rollende Konstruktion erspart sich der Anleger die laufenden Transaktionsgebühren und fällt nicht unter einen allfälligen Spekulationstatbestand.

Üblicherweise wählt der Emittent ein Discountzertifikat mit einer Restlaufzeit von einem Monat sowie einem „at the money“ liegenden Cap (Strike).

Auf Basis dieser Konstruktion kann der Anleger den eingenommenen Discount maximieren, da der Ertrag von 12 Discounts (mit einem Monat Restlaufzeit) üblicherweise deutlich höher ausfällt als der Discount bei einem normalen Discountzertifikat das einmalig auf 12 Monate veranlagt wird.

Der monatliche Investitionszyklus gewährleistet, dass der Cap immer an das aktuelle Marktgeschehen angepasst wird.

Der Cap muss aber nicht unbedingt immer „at the money“ gewählt werden. Die Emittenten bieten auch Rolling Discountzertifikate an mit folgender Cap-Auswahl an:

• Cap „in the money“ (für risikoscheue Investoren)
• Cap „out of the money“ (für risikofreudige Investoren)
• Cap wird je nach Markteinschätzung des Emittenten flexibel gewählt („Rolling Flex Discountzertifikate“)

Rückberechnungen der Emittenten sollen beweisen, dass „rollende“ Discountzertifikate einem Direktinvestment in den Basiswerten langfristig überlegen sind.

Bonuszertifikat

Bonuszertifikate eigenen sich für jene Zertifikateanleger, die nicht nur von steigenden Kursen profitieren wollen, sondern auch bei einer Seitwärtsbewegung oder moderat fallenden Kursen gutes Geld verdienen wollen.

Funktion von einem Standard-Bonuszertifikat (Classic Bonuszertifikat)

Ein Standard-Bonus-Zertifikat besitzt folgende Ausstattungsmerkmale:

  • den Basiswert
  • den Basiswertkurs
  • die Bezugsmenge
  • den Bonusbetrag (Bonuszahlung)
  • die Kursschwelle
  • den Feststellungstag (=Ausübungstag)
  • Prinzipiell partizipiert der Anleger mit einem Bonuszertifikat im vollen Umfang an der Wertentwicklung vom Basiswert (Underlying). Ein Bonuszertifikat hat immer 2 wichtige Schwellen: Die Bonusschwelle (Bonusniveau) und die Kursschwelle (Sicherheitsschwelle). Zum Zeitpunkt der Emission vom Bonuszertifikat liegt die Bonusschwelle über dem Basiswertkurs und die Kursschwelle liegt unter dem Basiswertkurs. Ein Bonuszertifikat hat eine begrenzte Laufzeit. Sofern der Basiswert bis zum Laufzeitende niemals (auch nicht eine Sekunde) die untere Kursschwelle berührt, bleibt der Bonusmechanismus vom Bonuszertifikat intakt.

    Der Bonusmechanismus sorgt dafür, dass am Laufzeitende der Basiswert (zB: Aktie, Rohstoff) mindestens mit dem Kurs der Bonusschwelle zurück gezahlt wird. Sofern der Basiswert am Laufzeitende sogar über der Bonusschwelle notiert, wird selbstverständlich dieser noch höhere Wert ausgezahlt (Ausnahme: die Sonderform Capped-Bonus-Zertifikat).

    Im Falle der unverletzten Kursschwelle erhält der Anleger am Laufzeitende sein eingezahltes Geld sowie zumindest den Bonusbetrag ausbezahlt. Der Investor ist daher mit einem Bonuszertifikat in der Regel nie schlechter gestellt als mit einem Direktinvestment in den Basiswert (Ausnahmen: steuerliche Diskriminierung in Österreich, Dividendenverzicht, unlautere Gestaltung eines Emittenten, überteuerter Kauf am Sekundärmarkt samt anschließenden Schwellenereignis).

    Funktion Bonuszertifikat - Auszahlungsprofil bei unverletzter Kursschwelle

    Grafik: Funktionsweise Bonuszertifikat bei unverletzter Kursschwelle

    Bonuszertifikat – wenn die Kursschwelle erreicht wird

    Im Falle einer berührten Kursschwelle (Sicherheitsschwelle) („Schwellenberührung“, „Schwellenereignis“, „Schwellenbruch“) wird der Bonusmechanismus vom Bonuszertifikat sofort außer Kraft gesetzt, der „Sicherheitsbuffer“ ist verwirkt und der Bonusbetrag (Bonuszahlung) ist unwiderruflich verloren (Anmerkung: es gibt allerdings von einigen Emittenten Sonderausgestaltungen von Bonuszertifikaten, wo es eine zweite Chance gibt – dies geht aber zu Lasten der erzielbaren Rendite…).

    Das Bonuszertifikat verwandelt sich in diesem Fall in ein „Delta-1-Zertifikat“, das (im Falle einer Aktie als Basiswert) die Aktie 1:1 unter Berücksichtigung von diskontierten Dividendenausschüttungen abbildet. Der Anleger hat als Zertifikateinhaber keine Aktionärsrechte und damit keinen Anspruch auf Dividenden. Daher notiert das „ausgeknockte“ Bonuszertifikat im Falle von einem Schwellenbruch bei noch auszuzahlenden, zukünftigen Dividenden unter dem aktuellen Börsenkurs der Aktie.

    Bonuszertifikat - Funktion und Auszahlungsprofil wenn Kursschwelle berührt wird

    Grafik: Funktionsweise Bonuszertifikat bei verletzter Kursschwelle

    Der Bonuszertifikate-Anleger kann daher im Austausch für den Verzicht auf Dividenden auch bei moderat fallenden Kursen durch ein Bonuszertifikat eine lukrative Bonuszahlung am Laufzeitende kassieren, sofern keine Schwellenberührung erfolgte.

    Konstruktion von einem Bonuszertifikat – wie Emittenten Bonuszertifikate konstruieren (strukturieren) – Anlagestruktur der Bonuszertifikate

    Der Emittent konstruiert ein Bonuszertifikat aus einem Zero Strike Call und einer „digitalen“ Option, im Speziellen einen „Down-and-Out-Put“. Der Zero Strike Call spiegelt die Entwicklung vom Basiswert (abzüglich der erwarteten zukünftigen diskontierten Dividendenausschüttungen im Falle einer Aktie) wider. Obwohl eine „Down-and-Out-Put-Option“ weniger kostet als ein „Standard-Put“, braucht der Emittent für den Erwerb der „Down-and-Out-Put-Option“ Geld. Dieses Geld stammt aus den erwarteten Dividenden des Basiswerts. Je höher die erwartete Dividendenausschüttung ist, desto lukrativer kann die Ausgestaltung der gekauften Putoption sein und desto lukrativer kann die Bonuszahlung vom Bonuszertifikat ausfallen.

    Sofern der Basiswert die untere Kursschwelle berührt, verfällt der „Down-and-Out-Put“.

    Erklärung „Down-and-Out-Put“ bei einem Bonuszertifikat:

    Ein Down-and-Out-Put mit Startwert = 100, Strike = 130, und Knock-out-Level = 80 hat nachfolgendes Auszahlungsprofil:

    Fällt der Kurs des Basiswertes irgendwann unter die Marke von 80, so wird, unabhängig vom Schlusskurs, nichts ausgezahlt (daher die Bezeichnung „Down-and-Out“).

    Liegt der Schlusskurs des Basiswerts über dem Put-Strike von 130, so verfällt der Put ebenso (unabhängig davon, ob zwischendurch die Kursschwelle berührt wurde).

    Nur wenn der Schlusskurs des Basiswerts unterhalb des Strikes liegt (die Barriere von 80 jedoch niemals berührt wurde), wird die Differenz von Schlusskurs und Strike ausgezahlt.

    Ein lukratives Bonuszertifikat richtig auswählen

    Lukrative, renditestarke Bonuszertifikate brauchen einen guten Down-and-Out-Put, der durch hohe Dividenden finanziert werden muss. Daher kann der Emittent durch eine dividendenstarke Aktie bzw. durch einen „Dividendenindex“ (zB: Dow Jones EURO STOXX SM Select Dividend 30) ein Bonuszertifikat mit einem guten Chancen-Risikoprofil strukturieren.

    Der Anleger sollte sich auch immer informieren, ob bei dem ausgewählten Bonuszertifikat die Kursschwelle berührt wurde oder nicht. Das sollte er bei mindestens zwei unabhängigen Informationsquellen machen, da oft falsche bzw. unaktuelle Informationen übermittelt werden. Im Zweifel sollte sich der Anleger den Chartverlauf des Basiswerts selber ansehen, ob die Kursschwelle berührt worden ist oder nicht (auch Intraday).

    Der Anleger sollte auch eine fundierte Meinung zum erwarteten Kursverlauf seines gewählten Basiswertes haben. Da ein Schwellenbruch („Schwellenberührung“, „Schwellenereignis“) unbedingt zu vermeiden ist, sollte die untere Schwelle im Zweifel so tief wie möglich gewählt werden. Der Anleger muss bei der Auswahl von einem Bonuszertifikat in der Regel zwischen der persönlichen Gewichtung „Sicherheitsbuffer“ und „Bonusrendite“ wählen. Im Zweifel sollte der Anleger auch kürzere Laufzeiten auswählen, da Langfristprognosen besonders risikobehaftet sind.

    Bonuszertifikate – hohe Bonusrendite durch Aufgeld birgt Risiko

    Viele Emittenten bewerben Bonuszertifikate als „die bessere Aktie“ – weil der Anleger zumindest die gleiche oder eine höhere Rendite im Vergleich zu einem Direktinvestment in den Basiswert (zB: Aktie) erzielen sollte (Ausnahme/Einschränkung: steuerliche Benachteiligung in Österreich, Verzicht auf Dividenden bei sehr starken Kursanstieg des Basiswerts bzw. wenn es zu einem Schwellenbruch kommt).

    Diese Aussage gilt jedenfalls dann, wenn bei der Ausgabe (Emission) das Bonuszertifikat genau so viel (oder auf Grund diskontierter Dividendenausschüttungen sogar weniger) kostet als die Aktie.

    Viele Anleger wählen das ihnen zusagende Bonuszertifikat über die zahlreichen Vergleichstools im Internet (zB: Onvista, Börse Stuttgart) meistens an Hand der erzielbaren maximalen Bonusrenditen aus. Dabei werden die Bonuszertifikate nach dem Kriterium „maximale Bonusrendite Bonuszertifikat“ der Höhe nach sortiert aufgelistet.

    Wenn ein Bonuszertifikat dabei eine hohe Bonusrendite aufweist, hat es eine große Chance, vom Anleger gekauft zu werden und der Emittent dieses ausgewählten Bonuszertifikats macht das Geschäft.

    Die Emittenten emittieren daher vermehrt Bonuszertifikate mit einem bedeutenden „Aufgeld“ zum Basiswert (Anmerkung: das Aufgeld ist nicht der Ausgabeaufschlag). Durch dieses Aufgeld zum Basiswert werden höhere Bonusrenditen möglich. Andererseits verändert sich aber bei so einem Bonuszertifikat mit Aufgeld nicht nur das Chancenprofil, sondern auch das Risikoprofil: Wenn es zum Schwellenbruch (Schwellenereignis) kommt, geht das bei der Emission bezahlte Aufgeld zusammen mit der möglichen Bonuszahlung verloren. Der Bonuszertifikatkäufer verliert in diesem Fall mehr als der Käufer der Aktie, der auch noch Dividenden kassieren kann.

    Bonuszertifikat – Strategie wenn der Sicherheitsbuffer verloren ist

    Wenn bei einem Bonuszertifikat ein Schwellenbruch (Schwellenberührung, Schwellenereignis) passiert, sollte der Anleger das Zertifikat verkaufen.
    Begründung: Wenn ein Basiswert so weit fällt, wird er wahrscheinlich noch weiter fallen. Wenn sich der Anleger bei diesem Basiswert schon einmal geirrt hat, wird sich der Anleger (mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50%) bei diesem Basiswert weiterhin mit seiner Kursprognose irren.
    Meiner Ansicht nach ist ein Halten vom „ausgeknockten“ Bonuszertifikat nur dann sinnvoll, wenn die Laufzeit relativ bald endet und sich der Anleger die Transaktionsgebühren für den Verkauf ersparen möchte. Meistens ist ein Verkauf die beste Lösung, da das verbliebene Geld gleich wieder sinnvoll veranlagt werden kann.

    Bonuszertifikat – Strategie wenn die Bonusschwelle erreicht ist

    Wenn sich der Basiswert Richtung Norden bewegt und die Bonusschwelle schon weit vor dem regulären Laufzeitende erreicht wird, hat der Anleger die erfreuliche Wahl, ob er das Bonuszertifikat verkauft oder ob er die Position bis zum Laufzeitende hält.

    Für das Halten vom Bonuszertifikat spricht, dass der Anleger bis Laufzeitende einen sehr großen Buffer nach unten hat (Sicherheitsbuffer + Bonuszahlung). An weiteren Kursanstiegen ist der Anleger weiterhin beteiligt (Ausnahme: Capped-Bonus-Zertifikat – bei diesem Produkt gibt es eine Beschränkung der Kursgewinne, dafür erhält man größere Bonusrenditen und/oder größere Sicherheitsbuffer).

    Wenn der Anleger der Meinung ist, dass der Basiswert nicht weiter steigen wird, sondern nach dem steilen Anstieg eine Seitwärtsbewegung vollzieht, sollte der Anleger das Bonuszertifikat am Sekundärmarkt (Börse, Direkthandel mit dem Emittenten) verkaufen und sich nach neuen, lukrativeren Zertifikaten umsehen.
    Der Anleger könnte zB ein Bonuszertifikat mit „offensiveren“ Ausstattungsmerkmalen auf den gleichen Basiswert kaufen und von der erwarteten Seitwärtsbewegung überproportional über die Bonuszahlung partizipieren.

    Bonuszertifikate – Varianten

    Klassisches Bonuszertifikat (Protect Bonus-Zertifikat): Tilgung zum Bonusniveau (oder höher) sofern untere Kursschwelle niemals berührt wurde (siehe die Erläuterungen oben).

    Bonuszertifikat-Pro: Kursschwelle (Sicherheitsschwelle) gilt nur eine kurze Zeit vor dem Laufzeitende (ca. 1-2 Monate). Dieses Mehr an Sicherheit wird durch einen niedrigeren Sicherheitsbuffer oder eine niedrigere Bonuszahlung erkauft.

    Flex-Bonuszertifikat: Bei dieser Bonuszertifikate-Variante gibt es 2 Sicherheitsschwellen; wenn zB: die erste Sicherheitsschwelle bei zB 80 berührt wird, aktiviert sich eine zweite Sicherheitsschwelle bei zB: 60. Sofern die Sicherheitsschwelle bei 60 niemals berührt wird, dann erhält der Anleger doch noch eine (geringe) Bonuszahlung. Der Anleger hat daher noch eine zweite Chance. Dies geht aber auf Kosten der Bonusrendite.
    Deep-Bonuszertifikat: Dieses Bonuszertifikat ist für risikoscheue (risikoaverse) Anleger strukturiert. Das Bonusniveau befindet sich ca. auf der Höhe vom Basispreisniveau bei der Emission. Dafür erhält der Anleger einen hohen Sicherheitsbuffer.

    Capped-Bonuszertifikat: Bei einem Capped-Bonus-Zertifikat ist eine mögliche unlimitierte Wertsteigerung „gecapped“ (gedeckelt). Dafür sind höhere Bonusrenditen oder Sicherheitsbuffer möglich.

    Lock-In-Bonuszertifikat: Bei einem „Lock-In-Bonus-Zertifikat“ mutiert das Zertifikat bei Erreichen eines bestimmten Kursniveaus in ein Garantiezertifikat. Für dieses Mehr an Sicherheit muss der Anleger Abstriche bei der Bonusrendite oder beim Sicherheitsbuffer in Kauf nehmen.

    Maxi-Bonuszertifikat, Multi-Bonuszertifikat: Bei diesen Zertifikaten gibt es verschiedene Basiswerte. Die Wertentwicklung richtet sich nach der Entwicklung des schwächsten Basiswerts. Wenn es mehr Basiswerte gibt, steigt das Risiko eines Schwellenbruches bei einem dieser Basiswerte an. Durch dieses erhöhte Risiko kann der Anleger von einem höheren Sicherheitsbuffer oder einer höheren Bonuszahlung profitieren.

    Reverse-Bonuszertifikat – fallende Kurse profitabel ausnutzen

    Reverse-Bonuszertifikate funktionieren im Prinzip spiegelverkehrt zu einem Standard-Bonuszertifikat. Der Anleger kann sich fallende Kurse oder leicht steigende Kurse zu Nutze machen und bei Nicht-Erreichen einer oberen Kursschwelle eine lukrative Bonuszahlung kassieren.

    Das Unterschreiten des unteren Schwellenwerts erhöht sogar die Rendite des Anlegers, da er nicht nur die Bonuszahlung, sondern die komplette negative Kursentwicklung als positive Rendite erzielen kann.

    Da bei einem Reverse-Bonuszertifikat auf fallende Kurse spekuliert wird, könnten im Fall extremer Kursanstiege des Basiswerts unbeschränkte, unlimitierte Verluste für den Anleger und den Emittenten entstehen. Daher haben Reverse Bonus Zertifikate folgenden Stop-Loss-Mechanismus eingebaut: Wenn sich der bei der Emission festgelegte Basispreis des Basiswerts verdoppelt bzw. den vorab festgelegten „Reverse Kurs“ erreicht, stellt der Emittent die eingegangene Position glatt und das Zertifikat verfällt sofort wertlos bzw. der Anleger erhält einen allfällig verbliebenen Restwert zurück.

    Express Zertifikat – rasche Rückzahlung inklusive Kuponzahlung erwünscht

    Wenn der Anleger nur leicht steigende bzw. stagnierende Kurse erwartet, bietet sich ein Expresszertifikat an. Expresszertifikate ermöglichen dem Anleger, innerhalb kurzer Laufzeit sein Kapital inklusiver einer lukrativen Ausschüttung (Kuponzahlung) zurück zu bekommen.

    Ein Expresszertifikat kann als Basiswert Aktien, Rohstoffe als auch einen Index haben und hat eine begrenzte Laufzeit. Bei einem Expresszertifikat gibt es mehrere Beobachtungs-Stichtage. An einem solchen Stichtag wird der aktuelle Kurs des Basiswerts mit dem Startkurs verglichen. Der Kursverlauf zwischen den Beobachtungstagen ist irrelevant – es zählt nur der Kurs am Beobachtungstag. Befindet sich der Kurs auf oder über dem Startkurs, wird das Expresszertifikat vorzeitig beendet und das eingesetzte Kapital samt versprochener Kuponzahlung wird zurückgezahlt.
    Wenn aber der Kurs des Basiswerts unter dem Startkurs liegt, dann läuft das Zertifikat bis zum zweiten Beobachtungstag weiter und der Anleger bekommt (vorläufig) keine Ausschüttung. Wenn am zweiten Beobachtungstag der Kurs des Basiswerts über dem Startkurs liegt, dann erhält der Anleger sein Geld inklusive von zwei Bonuszahlungen (Ausschüttungen) zurück und das Zertifikat läuft aus. Wenn hingegen der Kurs des Basiswerts noch immer unter dem Startkurs liegt, geht es weiter zum dritten Beobachtungstag (Bewertungstag). Dann würde es in Analogie die Rückzahlung samt dreier Bonuszahlungen geben.

    Auszahlungsprofil von einem Expresszertifikat am Laufzeitende

    Wenn der Anleger mit seiner Markteinschätzung auch noch zum Laufzeitende vom Expresszertifikat falsch liegt, dann greift in der Regel ein zusätzlicher Sicherheitsbuffer in Verbindung mit einer Kapitalgarantie. Sofern der zugrunde liegende Basiswert am Laufzeitende über dem Sicherheitsniveau (ausgedrückt als Prozentsatz des Startwertes) liegt, erhält der Anleger sein eingesetztes Geld zurück (aber ohne Kuponzahlungen).

    Sofern der Basiswert am Laufzeitende unter dem Sicherheitsniveau (Sicherheitslevel) liegt, dann erhält der Anleger sein Kapital in Analogie zu den Kursverlusten zurück. Auch ein Totalverlust ist daher theoretisch möglich.

    Die Expressfunktion von einem Expresszertifikat wird über die vom Emittenten vereinnahmte Dividende finanziert. Die einkassierte Dividende investiert der Emittent in den Erwerb von Optionen.

    Outperformancezertifikate – durch „Turbolader“ den Basiswert outperformen

    Ein Outperformancezertifikat ermöglicht (wie der Name schon impliziert) dem Anleger eine gesteigerte Rendite („Outperformance“), sofern er mit seiner Einschätzung richtig liegt.

    Die positive Entwicklung des Basiswerts oberhalb vom Basispreis wird mit einem vorab vereinbarten Multiplikator vervielfacht. Der Multiplikator ist in der Regel ein Wert zwischen eins und zwei. Sofern zB: die Aktie um 30% steigt, würde der Anleger bei einem Multiplikator von 2 einen Kursanstieg von 60% (= 30% x 2) erzielen. Einen Cap nach oben gibt es nicht (Anmerkung: diese Cap-Ausgestaltung wäre ein „Sprintzertifikat“). Wenn die Aktie hingegen fällt, erleidet der Outperformance-Zertifikate-Anleger die gleichen Verluste wie mit einem Direktinvestment in die Aktie.

    Die Outperformance-Funktion von einem Outperformance Zertifikat wird über die vom Emittenten vereinnahmte Dividende finanziert. Die einkassierte Dividende investiert der Emittent in den Erwerb von Optionen (Calls).

    Sprintzertifikat (Bandbreitenzertifikat) – bis zum Cap-Level doppelt vom Kursanstieg profitieren

    Sprintzertifikate (Bandbreitenzertifikate) sind eine Sonderform der Outperformance Zertifikate. Sofern der Anleger beim Basiswert nur einen geringen Anstieg erwartet, kann er von diesem geringen Anstieg durch ein Sprintzertifikat doppelt (oder mehr) profitieren. Die Entwicklung der Aktie über dem Basispreis wird mit einem Faktor von mindestens zwei gehebelt. Der Anleger kann aber im Gegensatz zu einem Outperformance-Zertifikat bei einem Sprintzertifikat nicht unlimitiert von der Outperformance profitieren. Beim Sprintzertifikat ist der gehebelte Anstieg durch eine Obergrenze (Cap-Level) gedeckelt.

    Die Sprint-Funktion von einem Sprint Zertifikat wird über die vom Emittenten vereinnahmte Dividende finanziert. Die einkassierte Dividende investiert der Emittent in den Erwerb von Optionen (Calls).

    Sprintzertifkate haben auch noch folgende Bezeichnungen: Bandbreitenzertifikate, DoubleChance-Zertifikate, Katapult-Zertifikate, Kick-Start-Zertifikate, Runner-Zertifikate, Speed(er)-Zertifikate, Sprint(er)-Zertifikate;

    Butterfly-Zertifikat (Schmetterling-Zertifikat)

    Butterfly-Zertifikate (Schmetterling-Zertifikate) ermöglichen dem Anleger, von fallenden als auch von steigenden Kursen zu profitieren – nur nicht von stagnierenden Kursen. Beim einen Butterflyzertifikat (Schmetterlingzertifikat) entsteht der Profit des Anlegers aus der betragsmäßigen Differenz des aktuellen Kurses des Basiswerts und des vereinbarten Basispreises. Bei einem Butterfly-Zertifikat gibt es eine Untergrenze, unter die der Kurs des Basiswerts während der Laufzeit nicht fallen darf, sonst wird die „Butterfly-Funktion“ des Zertifikats deaktiviert und der Anleger ist an der weiteren Wertentwicklung des Basiswerts nur mehr linear beteiligt. In so einem Fall nimmt der Anleger 1:1 an den Verlusten teil.
    Bei einem Butterfly-Zertifikat gibt oft einen „strike“. Wenn der Basiswert über diesen steigt, kann der Anleger überproportional an den zusätzlichen Steigerungen partizipieren.

    Alpha-Zertifikat – Marktneutraler Gewinn (Überrendite) in jeder Börsenphase erhofft

    Alpha-Zertifikate sollen dem Anleger auch in schwachen Börsenphasen Gewinne bescheren. Bei einem Alpha-Zertifikat kommt es nicht darauf an, ob sich der Kurs des Basiswerts positiv oder negativ entwickelt. Für die Erzielung einer positiven Überrendite (Mehrertrag) zählt einzig und allein, dass sich der Basiswert im Vergleich zu einem anderen Basiswert im Verhältnis BESSER entwickelt – und damit „Alpha“ generieren kann. Entwickelt sich „Basiswert 1“ besser als „Basiswert 2“, dann steigt der Wert vom Alphazertifikat – unabhängig davon, ob die Kurse der zwei Basiswerte gestiegen oder gefallen sind. Wenn hingegen „Basiswert 1“ schlechter läuft als „Basiswert 2“, dann verliert das Alphazertifikat an Wert.

    Der Anleger kann daher mit einem Alpha-Zertifikat eine bislang nur Großanlegern vorbehaltene marktneutrale „Long-Short-Strategie“ verfolgen („Long/Short“).

    Mit der Zertifikatebezeichnung „Alpha“ werden aber auch viele Produkte begeben, die streng genommen nichts mit „Alpha“ zu tun haben. Unter „Alpha“ versteht man die risikoangepasste Outperformance einer Strategie oder eines Index gegenüber einem Vergleichsindex aus der gleichen Aktiengruppe.

    Eine beliebte Ausgestaltung von einem Alpha-Zertifikat ist die (erhoffte) Outperformance einer Dividendenstrategie im Vergleich zu einem Standardindex. zB: DJ Stoxx Select Dividend 30 Index vs. den DAX (Deutscher Aktien Index).

    Alpha-Zertifikate werden häufig in Kombination mit einem anderen Zertifikate-Merkmal angeboten, zB mit Bonusstruktur, Expressstruktur oder einem Kapitalschutz zum Laufzeitende.

    Abschließend sein noch angemerkt, dass Alpha-Zertifikate meiner Ansicht nach dem Grundgedanken von Zertifikaten widersprechen. Zertifikate sollen den menschlichen „Fehlfaktor“ ausschalten und ein kostengünstiges, passives, indexnahes Investment ermöglichen. Durch die Wette auf die Outperformance einer „menschlichen“ Strategie oder eines Teilbereichs (Teilindex) der Börse gegenüber breiten Standardindizes wird dieser ursprüngliche Grundgedanke wieder aufgegeben.

    Turbo-Zertifikat (Hebelzertifikat) – vom Hebel mit Turbo profitieren

    Turbozertifikate (Hebelzertifikate) ermöglichen dem spekulativen Anleger, steigende Kurse als auch fallende Kurse mit Hebelwirkung auszunutzen. Turbo Zertifikate ( Hebel Zertifikate) sind erst seit ein paar Jahren für den Kleinanleger verfügbar, daher gibt es verschiedenste Bezeichnungen (Schreibweisen) für Turbozertifikate (Hebelzertifikate):
    Turbo, Turbos
    Turbozertifikat, Turbozertifikate
    Mini-Turbo, Mini-Turbos
    Mini-Future, Mini-Futures
    Long Turbo, Long Turbos
    Short Turbo, Short Turbos
    Hebelzertifikat, Hebelzertifikate
    Knockout-Zertifikat, Knockout-Zertifikate
    Wave, Waves,
    Wave-Call, Wave-Calls
    Wave-Put, Wave-Puts
    Bull-Zertifikat, Bull-Zertifikate
    Long-Zertifikat, Long-Zertifikate
    Bear-Zertifikat, Bear-Zertifikate
    Short-Zertifikat, Short-Zertifikate

    Funktionsweise Turbozertifikat (Hebelzertifikat) – Vorteile und Nachteile

    Mit einem Turbozertifikat kann der Anleger die Vorteile von einem Indexzertifikat mit dem Vorteil von einem Optionsschein verbinden, ohne jedoch den Optionsschein-Nachteil vom volatilitätsbedingten Zeitwertverfall zu erleiden. Der Anleger muss für das Turbozertifikat im Gegensatz zum Optionsschein kein Aufgeld (Prämie für Volatilität) bezahlen.

    Der Anleger kann mit einem Turbozertifikat von Kursteigerungen als auch von Kursverlusten des Basiswerts überproportional (dh. mit Hebel) profitieren und durch die Hebelwirkung entweder den notwendigen Kapitaleinsatz reduzieren oder den erzielbaren Gewinn steigern.

    Turbozertifikate haben den Nachteil, dass diese bei Erreichen einer vorab definierten Kursschwelle („Strike“, „Kock-Out-Barriere“, “Knock-Out-Schwelle”) sofort wertlos verfallen („Knock-Out-Ereignis“) bzw. der Emittent nur mehr einen allfällig vorhandenen Restwert dem Anleger zurückzahlt. Bei Optionscheinen (Optionen) kann der Anleger aber noch auf einen Gegenbewegung bis zum Laufzeitende hoffen.

    Ein Turbozertifikat (Hebelzertifikat) ist laut „Wikipedia – die freie Enzyklopädie“ ein Investment in einen Basiswert (Underlying) in Verbindung mit einem verbrieften (strukturierten) Wertpapierkredit.

    Der Wert von einem Turbozertifikat errechnet sich sehr stark vereinfacht wie folgt:

    Wert Bullen-Turbozertifikat = (Kurs Basiswert – Strike) x Bezugsverhältnis

    Wert Bären-Turbozertifikat = (Strike – Kurs Basiswert) x Bezugsverhältnis

    Die Funktionsweise von einem Turbozertifikat (Hebelzertifikat) soll an Hand von einem kleinen Beispiel erklärt werden:

    Wenn der ATX zB bei 4000 Punkten liegt, würde ein Turbozertifikat mit einem Finanzierungslevel (auch Strike genannt) von 3000 Punkten in diesem Fall 1000 € kosten. Es ist allerdings auch noch das Bezugsverhältnis zu beachten, beim ATX ist dies in der Regel 1:100 (0,01).

    Da der Emittent noch ein Aufgeld (bzw. Abgeld bei Short) für die Finanzierungskosten berechnet, muss dieses auch berücksichtigt werden, in diesem Beispiel gehen wir einfach von einem Aufgeld von 10 € aus:

    Für Long-Zertifikate berechnet sich der Wert vom Turbozertifikat wie folgt:

    ((Basispreis+Aufgeld) − Strike) x Bezugsverhältnis = Preis Turbozertifikat
    ((4000 + 10) – 3000) x 0,01 € = 10,10 €

    Sollte der ATX auf 4500 Punkte steigen, wäre der Wert auf 15 € gestiegen:
    ((4500 + 10) – 3000) x 0,01 € = 15,10 €

    Sollte der ATX unter das Finanzierungslevel (in diesem Beispiel 3000 Punkte) fallen, wird das Zertifikat ausgeknockt und das eingesetzte Kapital (inklusive des Aufgelds) geht unwiderruflich verloren.

    Durch den Finanzierungslevel (gleichzeitig das Strike-Niveau („Knock-Out“) vom Wertpapierkredit) kann das Turbozertifikat mit Hebelwirkung im Wert steigen oder fallen.

    Der Emittent stellt bei der Long-Variante (Turbo-Bull-Zertifikat) die finanziellen Mittel bis zum Finanzierungslevel gegen Kreditzinsen zur Verfügung. Dafür verlangt der Emittent das Aufgeld bzw. verrechnet das Aufgeld laufend über den Preis des Zertifikats.

    Bei der Short-Variante (Turbo-Short-Zertifikat) ist hingegen der Zertifikatbesitzer der Kreditgeber und kassiert dafür Zinsen. Dies erfolgt durch die Verrechnung von einem „Abgeld“.

    Im vorangegangen Beispiel wäre der ATX von 4000 auf 4500 Punkte gestiegen, das wären 12,5 %. Das Turbozertifikat ist aber von 10,10 € auf 15,10 € gestiegen, das wären aber 49,5 %.

    Der Hebel vom Turbozertifikat (daher auch der Name Hebelzertifikat) berechnet sich wie folgt:

    (Basispreis / Preis des Zertifikats) x Bezugsverhältnis = Hebel
    (4000 € / 10,10 €) x 0,01 = 3,96

    Daher ergibt sich bei einer Preissteigerung von 12,5 % des Basiswerts und einem Hebel von 3,96 der Kursanstieg vom Turbozertifikat wie folgt:

    Prozentueller Anstieg vom Basiswert x Hebel = Kursanstieg Turbozertifikat in Prozent
    12,5 % x 3,96 = 49,5 %

    Für Short-Zertifikate wird der Wert vom Turbozertifikat wie folgt errechnet:

    (Strike – (Basispreis+Abgeld)) x Bezugsverhältnis = Preis Turbozertifikat

    Wenn der Preis vom Underlying (Basiswert) wie prognostiziert fällt, steigt in Analogie der Wert vom Short-Turbo-Zertifikat.

    Viele Turbozertifikate haben neben der Knock-Out-Schwelle noch eine „Stop-Loss-Schwelle“, die im Fall von Longzertifikaten ÜBER der Knock-Out-Schwelle liegt bzw. im Fall von Short-Zertifikaten UNTER der Knock-Out-Schwelle liegt.
    Dadurch sichert sich der Emittent zusätzlich gegen unerwartete Kursbewegungen ab und der Anleger erhält im Verlustfall wenigstens noch einen kleinen Restbetrag zurück (Anmerkung: Dieser realisierte Verlust ist dann auch steuerlich verrechenbar).

    Abschließend soll noch angeführt werden, welche investierten Summen durch ein Turbozertifikat bewegt werden:

    Wenn man zB: Euro 3.000,- in eine Turbozertifikat mit einem Hebel von 20 investiert, bewegt man an der Börse Euro 60.000,-. Eine Bewegung im Basiswert von 5 % in die richtige Richtung würde eine Rendite von 100% ermöglichen. Eine Bewegung im Basiswert von 5 % in die falsche Richtung würde hingegen zum Totalverlust führen.

    Der Emittent verdient hingegen auf jedem Fall an den Finanzierungskosten und am Spread zwischen Geldkurs und Briefkurs.

    Der Erwerb von einem Turbozertifikat ist daher eine sehr riskante und kostspielige Spekulation (Ausnahme: Kauf zum Hedgen bestehender Positionen). Sofern die Finanzkraft des Anlegers groß genug ist, sollte der Anleger direkt über kostengünstigere und liquide Futures handeln und nicht über Turbozertifikate. Turbozertifikate sind daher mA für Kleinanleger nur in Spezialsituationen empfehlenswert.

    Weitere Infos (Links) zum Thema “Zertifikate” (bitte unten klicken):

    Zertifikate – Funktion (Alle)


    Indexzertifikate

    Basketzertifikate, Strategiezertifikate, Themenzertifikate

    Garantiezertifikate

    Aktienanleihen – Reverse Convertibles

    Discountzertifikate

    Bonuszertifikate

    Expresszertifikate

    Outperformancezertifikate

    Sprintzertifikate

    Butterfly-Zertifikate, Schmetterling-Zertifikate

    Alphazertifikate

    Turbozertifikate, Hebelzertifikate

    Zertifikate-Besteuerung und KEST-Freie Zertifikate, Steuerfrei investieren

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