Bonuszertifikate

Bonuszertifikat

Bonuszertifikate eigenen sich für jene Zertifikateanleger, die nicht nur von steigenden Kursen profitieren wollen, sondern auch bei einer Seitwärtsbewegung oder moderat fallenden Kursen gutes Geld verdienen wollen.

Funktion von einem Standard-Bonuszertifikat (Classic Bonuszertifikat)

Ein Standard-Bonus-Zertifikat besitzt folgende Ausstattungsmerkmale:

  • den Basiswert
  • den Basiswertkurs
  • die Bezugsmenge
  • den Bonusbetrag (Bonuszahlung)
  • die Kursschwelle
  • den Feststellungstag (=Ausübungstag)
  • Prinzipiell partizipiert der Anleger mit einem Bonuszertifikat im vollen Umfang an der Wertentwicklung vom Basiswert (Underlying). Ein Bonuszertifikat hat immer 2 wichtige Schwellen: Die Bonusschwelle (Bonusniveau) und die Kursschwelle (Sicherheitsschwelle). Zum Zeitpunkt der Emission vom Bonuszertifikat liegt die Bonusschwelle über dem Basiswertkurs und die Kursschwelle liegt unter dem Basiswertkurs. Ein Bonuszertifikat hat eine begrenzte Laufzeit. Sofern der Basiswert bis zum Laufzeitende niemals (auch nicht eine Sekunde) die untere Kursschwelle berührt, bleibt der Bonusmechanismus vom Bonuszertifikat intakt.

    Der Bonusmechanismus sorgt dafür, dass am Laufzeitende der Basiswert (zB: Aktie, Rohstoff) mindestens mit dem Kurs der Bonusschwelle zurück gezahlt wird. Sofern der Basiswert am Laufzeitende sogar über der Bonusschwelle notiert, wird selbstverständlich dieser noch höhere Wert ausgezahlt (Ausnahme: die Sonderform Capped-Bonus-Zertifikat).

    Im Falle der unverletzten Kursschwelle erhält der Anleger am Laufzeitende sein eingezahltes Geld sowie zumindest den Bonusbetrag ausbezahlt. Der Investor ist daher mit einem Bonuszertifikat in der Regel nie schlechter gestellt als mit einem Direktinvestment in den Basiswert (Ausnahmen: steuerliche Diskriminierung in Österreich, Dividendenverzicht, unlautere Gestaltung eines Emittenten, überteuerter Kauf am Sekundärmarkt samt anschließenden Schwellenereignis).

    Funktion Bonuszertifikat - Auszahlungsprofil bei unverletzter Kursschwelle

    Grafik: Funktionsweise Bonuszertifikat bei unverletzter Kursschwelle

    Bonuszertifikat – wenn die Kursschwelle erreicht wird

    Im Falle einer berührten Kursschwelle (Sicherheitsschwelle) („Schwellenberührung“, „Schwellenereignis“, „Schwellenbruch“) wird der Bonusmechanismus vom Bonuszertifikat sofort außer Kraft gesetzt, der „Sicherheitsbuffer“ ist verwirkt und der Bonusbetrag (Bonuszahlung) ist unwiderruflich verloren (Anmerkung: es gibt allerdings von einigen Emittenten Sonderausgestaltungen von Bonuszertifikaten, wo es eine zweite Chance gibt – dies geht aber zu Lasten der erzielbaren Rendite…).

    Das Bonuszertifikat verwandelt sich in diesem Fall in ein „Delta-1-Zertifikat“, das (im Falle einer Aktie als Basiswert) die Aktie 1:1 unter Berücksichtigung von diskontierten Dividendenausschüttungen abbildet. Der Anleger hat als Zertifikateinhaber keine Aktionärsrechte und damit keinen Anspruch auf Dividenden. Daher notiert das „ausgeknockte“ Bonuszertifikat im Falle von einem Schwellenbruch bei noch auszuzahlenden, zukünftigen Dividenden unter dem aktuellen Börsenkurs der Aktie.

    Bonuszertifikat - Funktion und Auszahlungsprofil wenn Kursschwelle berührt wird

    Grafik: Funktionsweise Bonuszertifikat bei verletzter Kursschwelle

    Der Bonuszertifikate-Anleger kann daher im Austausch für den Verzicht auf Dividenden auch bei moderat fallenden Kursen durch ein Bonuszertifikat eine lukrative Bonuszahlung am Laufzeitende kassieren, sofern keine Schwellenberührung erfolgte.

    Konstruktion von einem Bonuszertifikat – wie Emittenten Bonuszertifikate konstruieren (strukturieren) – Anlagestruktur der Bonuszertifikate

    Der Emittent konstruiert ein Bonuszertifikat aus einem Zero Strike Call und einer „digitalen“ Option, im Speziellen einen „Down-and-Out-Put“. Der Zero Strike Call spiegelt die Entwicklung vom Basiswert (abzüglich der erwarteten zukünftigen diskontierten Dividendenausschüttungen im Falle einer Aktie) wider. Obwohl eine „Down-and-Out-Put-Option“ weniger kostet als ein „Standard-Put“, braucht der Emittent für den Erwerb der „Down-and-Out-Put-Option“ Geld. Dieses Geld stammt aus den erwarteten Dividenden des Basiswerts. Je höher die erwartete Dividendenausschüttung ist, desto lukrativer kann die Ausgestaltung der gekauften Putoption sein und desto lukrativer kann die Bonuszahlung vom Bonuszertifikat ausfallen.

    Sofern der Basiswert die untere Kursschwelle berührt, verfällt der „Down-and-Out-Put“.

    Erklärung „Down-and-Out-Put“ bei einem Bonuszertifikat:

    Ein Down-and-Out-Put mit Startwert = 100, Strike = 130, und Knock-out-Level = 80 hat nachfolgendes Auszahlungsprofil:

    Fällt der Kurs des Basiswertes irgendwann unter die Marke von 80, so wird, unabhängig vom Schlusskurs, nichts ausgezahlt (daher die Bezeichnung „Down-and-Out“).

    Liegt der Schlusskurs des Basiswerts über dem Put-Strike von 130, so verfällt der Put ebenso (unabhängig davon, ob zwischendurch die Kursschwelle berührt wurde).

    Nur wenn der Schlusskurs des Basiswerts unterhalb des Strikes liegt (die Barriere von 80 jedoch niemals berührt wurde), wird die Differenz von Schlusskurs und Strike ausgezahlt.

    Ein lukratives Bonuszertifikat richtig auswählen

    Lukrative, renditestarke Bonuszertifikate brauchen einen guten Down-and-Out-Put, der durch hohe Dividenden finanziert werden muss. Daher kann der Emittent durch eine dividendenstarke Aktie bzw. durch einen „Dividendenindex“ (zB: Dow Jones EURO STOXX SM Select Dividend 30) ein Bonuszertifikat mit einem guten Chancen-Risikoprofil strukturieren.

    Der Anleger sollte sich auch immer informieren, ob bei dem ausgewählten Bonuszertifikat die Kursschwelle berührt wurde oder nicht. Das sollte er bei mindestens zwei unabhängigen Informationsquellen machen, da oft falsche bzw. unaktuelle Informationen übermittelt werden. Im Zweifel sollte sich der Anleger den Chartverlauf des Basiswerts selber ansehen, ob die Kursschwelle berührt worden ist oder nicht (auch Intraday).

    Der Anleger sollte auch eine fundierte Meinung zum erwarteten Kursverlauf seines gewählten Basiswertes haben. Da ein Schwellenbruch („Schwellenberührung“, „Schwellenereignis“) unbedingt zu vermeiden ist, sollte die untere Schwelle im Zweifel so tief wie möglich gewählt werden. Der Anleger muss bei der Auswahl von einem Bonuszertifikat in der Regel zwischen der persönlichen Gewichtung „Sicherheitsbuffer“ und „Bonusrendite“ wählen. Im Zweifel sollte der Anleger auch kürzere Laufzeiten auswählen, da Langfristprognosen besonders risikobehaftet sind.

    Bonuszertifikate – hohe Bonusrendite durch Aufgeld birgt Risiko

    Viele Emittenten bewerben Bonuszertifikate als „die bessere Aktie“ – weil der Anleger zumindest die gleiche oder eine höhere Rendite im Vergleich zu einem Direktinvestment in den Basiswert (zB: Aktie) erzielen sollte (Ausnahme/Einschränkung: steuerliche Benachteiligung in Österreich, Verzicht auf Dividenden bei sehr starken Kursanstieg des Basiswerts bzw. wenn es zu einem Schwellenbruch kommt).

    Diese Aussage gilt jedenfalls dann, wenn bei der Ausgabe (Emission) das Bonuszertifikat genau so viel (oder auf Grund diskontierter Dividendenausschüttungen sogar weniger) kostet als die Aktie.

    Viele Anleger wählen das ihnen zusagende Bonuszertifikat über die zahlreichen Vergleichstools im Internet (zB: Onvista, Börse Stuttgart) meistens an Hand der erzielbaren maximalen Bonusrenditen aus. Dabei werden die Bonuszertifikate nach dem Kriterium „maximale Bonusrendite Bonuszertifikat“ der Höhe nach sortiert aufgelistet.

    Wenn ein Bonuszertifikat dabei eine hohe Bonusrendite aufweist, hat es eine große Chance, vom Anleger gekauft zu werden und der Emittent dieses ausgewählten Bonuszertifikats macht das Geschäft.

    Die Emittenten emittieren daher vermehrt Bonuszertifikate mit einem bedeutenden „Aufgeld“ zum Basiswert (Anmerkung: das Aufgeld ist nicht der Ausgabeaufschlag). Durch dieses Aufgeld zum Basiswert werden höhere Bonusrenditen möglich. Andererseits verändert sich aber bei so einem Bonuszertifikat mit Aufgeld nicht nur das Chancenprofil, sondern auch das Risikoprofil: Wenn es zum Schwellenbruch (Schwellenereignis) kommt, geht das bei der Emission bezahlte Aufgeld zusammen mit der möglichen Bonuszahlung verloren. Der Bonuszertifikatkäufer verliert in diesem Fall mehr als der Käufer der Aktie, der auch noch Dividenden kassieren kann.

    Bonuszertifikat – Strategie wenn der Sicherheitsbuffer verloren ist

    Wenn bei einem Bonuszertifikat ein Schwellenbruch (Schwellenberührung, Schwellenereignis) passiert, sollte der Anleger das Zertifikat verkaufen.
    Begründung: Wenn ein Basiswert so weit fällt, wird er wahrscheinlich noch weiter fallen. Wenn sich der Anleger bei diesem Basiswert schon einmal geirrt hat, wird sich der Anleger (mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50%) bei diesem Basiswert weiterhin mit seiner Kursprognose irren.
    Meiner Ansicht nach ist ein Halten vom „ausgeknockten“ Bonuszertifikat nur dann sinnvoll, wenn die Laufzeit relativ bald endet und sich der Anleger die Transaktionsgebühren für den Verkauf ersparen möchte. Meistens ist ein Verkauf die beste Lösung, da das verbliebene Geld gleich wieder sinnvoll veranlagt werden kann.

    Bonuszertifikat – Strategie wenn die Bonusschwelle erreicht ist

    Wenn sich der Basiswert Richtung Norden bewegt und die Bonusschwelle schon weit vor dem regulären Laufzeitende erreicht wird, hat der Anleger die erfreuliche Wahl, ob er das Bonuszertifikat verkauft oder ob er die Position bis zum Laufzeitende hält.

    Für das Halten vom Bonuszertifikat spricht, dass der Anleger bis Laufzeitende einen sehr großen Buffer nach unten hat (Sicherheitsbuffer + Bonuszahlung). An weiteren Kursanstiegen ist der Anleger weiterhin beteiligt (Ausnahme: Capped-Bonus-Zertifikat – bei diesem Produkt gibt es eine Beschränkung der Kursgewinne, dafür erhält man größere Bonusrenditen und/oder größere Sicherheitsbuffer).

    Wenn der Anleger der Meinung ist, dass der Basiswert nicht weiter steigen wird, sondern nach dem steilen Anstieg eine Seitwärtsbewegung vollzieht, sollte der Anleger das Bonuszertifikat am Sekundärmarkt (Börse, Direkthandel mit dem Emittenten) verkaufen und sich nach neuen, lukrativeren Zertifikaten umsehen.
    Der Anleger könnte zB ein Bonuszertifikat mit „offensiveren“ Ausstattungsmerkmalen auf den gleichen Basiswert kaufen und von der erwarteten Seitwärtsbewegung überproportional über die Bonuszahlung partizipieren.

    Bonuszertifikate – Varianten

    Klassisches Bonuszertifikat (Protect Bonus-Zertifikat): Tilgung zum Bonusniveau (oder höher) sofern untere Kursschwelle niemals berührt wurde (siehe die Erläuterungen oben).

    Bonuszertifikat-Pro: Kursschwelle (Sicherheitsschwelle) gilt nur eine kurze Zeit vor dem Laufzeitende (ca. 1-2 Monate). Dieses Mehr an Sicherheit wird durch einen niedrigeren Sicherheitsbuffer oder eine niedrigere Bonuszahlung erkauft.

    Flex-Bonuszertifikat: Bei dieser Bonuszertifikate-Variante gibt es 2 Sicherheitsschwellen; wenn zB: die erste Sicherheitsschwelle bei zB 80 berührt wird, aktiviert sich eine zweite Sicherheitsschwelle bei zB: 60. Sofern die Sicherheitsschwelle bei 60 niemals berührt wird, dann erhält der Anleger doch noch eine (geringe) Bonuszahlung. Der Anleger hat daher noch eine zweite Chance. Dies geht aber auf Kosten der Bonusrendite.
    Deep-Bonuszertifikat: Dieses Bonuszertifikat ist für risikoscheue (risikoaverse) Anleger strukturiert. Das Bonusniveau befindet sich ca. auf der Höhe vom Basispreisniveau bei der Emission. Dafür erhält der Anleger einen hohen Sicherheitsbuffer.

    Capped-Bonuszertifikat: Bei einem Capped-Bonus-Zertifikat ist eine mögliche unlimitierte Wertsteigerung „gecapped“ (gedeckelt). Dafür sind höhere Bonusrenditen oder Sicherheitsbuffer möglich.

    Lock-In-Bonuszertifikat: Bei einem „Lock-In-Bonus-Zertifikat“ mutiert das Zertifikat bei Erreichen eines bestimmten Kursniveaus in ein Garantiezertifikat. Für dieses Mehr an Sicherheit muss der Anleger Abstriche bei der Bonusrendite oder beim Sicherheitsbuffer in Kauf nehmen.

    Maxi-Bonuszertifikat, Multi-Bonuszertifikat: Bei diesen Zertifikaten gibt es verschiedene Basiswerte. Die Wertentwicklung richtet sich nach der Entwicklung des schwächsten Basiswerts. Wenn es mehr Basiswerte gibt, steigt das Risiko eines Schwellenbruches bei einem dieser Basiswerte an. Durch dieses erhöhte Risiko kann der Anleger von einem höheren Sicherheitsbuffer oder einer höheren Bonuszahlung profitieren.

    Reverse-Bonuszertifikat – fallende Kurse profitabel ausnutzen

    Reverse-Bonuszertifikate funktionieren im Prinzip spiegelverkehrt zu einem Standard-Bonuszertifikat. Der Anleger kann sich fallende Kurse oder leicht steigende Kurse zu Nutze machen und bei Nicht-Erreichen einer oberen Kursschwelle eine lukrative Bonuszahlung kassieren.

    Das Unterschreiten des unteren Schwellenwerts erhöht sogar die Rendite des Anlegers, da er nicht nur die Bonuszahlung, sondern die komplette negative Kursentwicklung als positive Rendite erzielen kann.

    Da bei einem Reverse-Bonuszertifikat auf fallende Kurse spekuliert wird, könnten im Fall extremer Kursanstiege des Basiswerts unbeschränkte, unlimitierte Verluste für den Anleger und den Emittenten entstehen. Daher haben Reverse Bonus Zertifikate folgenden Stop-Loss-Mechanismus eingebaut: Wenn sich der bei der Emission festgelegte Basispreis des Basiswerts verdoppelt bzw. den vorab festgelegten „Reverse Kurs“ erreicht, stellt der Emittent die eingegangene Position glatt und das Zertifikat verfällt sofort wertlos bzw. der Anleger erhält einen allfällig verbliebenen Restwert zurück.

    Weitere Infos (Links) zum Thema “Zertifikate” (bitte unten klicken):

    Zertifikate – Funktion (Alle)


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    Basketzertifikate, Strategiezertifikate, Themenzertifikate

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    Alphazertifikate

    Turbozertifikate, Hebelzertifikate

    Zertifikate-Besteuerung und KEST-Freie Zertifikate, Steuerfrei investieren

    Erklärung Down-and-Out-Put-Optionsscheine

    Wertentwicklung und Kursverlauf klassischer Down-and-Out-Put-Optionsschein finden Sie hier:

    http://www.aktien-gewinn.at/2008/07/26/down-and-out-put/

    Wertentwicklung und Kursverlauf Down-and-Out-Put Pro! Optionsschein finden Sie hier:

    http://www.aktien-gewinn.at/2009/02/21/down-and-out-put-optionsschein-pro/

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